« Stehen Sie, im engeren oder im weiteren Sinne, mit der PJAK-Bewegung in Verbindung? » - « Ja », bestätigt unser Gesprächspartner, ein Student und junger Aktivist aus Mahabad, der anonym bleiben möchte. Die schnelle, spontane Antwort ist ungewöhnlich für das bei dieser Art von Gespräch sonst übliche vorsichtige Misstrauen. Der junge Freiheitskämpfer lässt sich in jedem Fall die Gelegenheit nicht entgehen, etwas zu seiner Organisation zu sagen.
Die PJAK nimmt in den Pressemitteilungen und Artikeln der letzten Tage zum aktuellen Geschehen im iranischen Kurdistan bereits einen ersten Platz ein – ebenso jedoch auch in den Anschuldigungen Teherans gegenüber einer als terroristisch eingestuften Organisation. Der PJAK könnte daran gelegen sein, ihr Image aufzupolieren. Wer könnte besser dazu Stellung nehmen als einer ihrer Partisanen?
Guerilla unter iranischer Überwachung

« Vor einigen Jahren haben die iranischen Kurden an der Seite der PKK die Waffen ergriffen », erklärt der junge Mann. « Heute findet der Kampf hier im Iran statt. Die Männer der PJAK, die für die ‘' Auferstehung des freien Kurdistan ’’ kämpfen, sind Kurden aus der Region. Sie verstecken sich in den umliegenden Bergen. » Die Waffen sollen aus dem Irak stammen. Der Waffenschmuggel vollzieht sich unbehelligt über Sardascht, seltener auch über Baneh oder Marivan . Die Waffen werden anschließend nach Mahabad, und manchmal auch in andere iranische Städte, weitergeleitet.
Unser Gesprächspartner möchte die Namen der örtlichen PJAK-Verantwortlichen lieber nicht nennen, um nicht unnötig der von Teheran geführten Verfolgung in die Hände zu spielen oder die Spannungen weiter anzufachen, die sich in den letzten Tagen zwischen Ordnungskräften und Widerstandskämpfern verstärkt haben. Die Region erholt sich nämlich gerade erst langsam von den stürmischen Ereignissen im Juli.
Anfang Juli wurde Shavaneh Qaderi bei seiner Verhaftung getötet. Die im Westiran gelegenen kurdischen Gebiete, die den Provinzen Kurdistan und dem iranischen Teil Aserbaidschans entsprechen, waren anschließend Schauplatz von Kämpfen.
Demonstrationen, gewalttätige Auseinandersetzungen und hartes Durchgreifen bei Verhaftungen haben damals die Region erschüttert. Die iranische Armee hat mehrere Operationen gegen die Untergrundkämpfer von der PJAK in der Region um Marivan durchgeführt. In der Nähe von Oschnawijeh an der irakischen Grenze wurden am 26. Juli vier iranische Soldaten bei einem Angriff getötet, den die iranischen Regierungsbehörden der PJAK zuschreiben.
Und erst am 15. August verkündete der Chef der iranischen Polizei, General Ismail Ahmadi-Moghaddam, dass vier Polizisten in der iranischen Provinz Westaserbaidschan von PJAK-Rebellen als Geiseln genommen wurden.
Iran-Irak-Türkei: die Spaltungen im Goldenen Dreieck des kurdischen Widerstands

Gespalten, verzweigt, uneinig – und manipuliert: Der kurdische Widerstand leidet an internen Kämpfen, die von den nationalen Regierungen häufig als Auslöser für ihren Kampf gegen den kurdischen « Terrorismus » benutzt werden. So soll Teheran kürzlich an der Seite der vom irakischen Präsidenten Dschalal Talabani angeführten Patriotischen Union Kurdistans (PUK) gegen die PJAK-Guerilla vorgegangen sein. Im Klartext heißt das, dass bestehende Spaltungen im grenzüberschreitenden kurdischen Widerstand verstärkt werden, um diesen so zu schwächen.
Nach Meinung mancher Beobachter steht die PJAK der moderaten und liberalen Strömung des kurdischen Widerstands nahe. Vor allem aber soll sie der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) angehören. Diese kurdische Widerstandsgruppe aus der Türkei steht in Brüssel und Washington auf der Liste der terroristischen Organisationen. Beweis für die existierenden Verbindungen: Einer der ehemaligen Anführer der PJAK ist kein Geringerer als der 2004 verstorbene Shapour Badoschiveh, ein iranischer Kurde und ehemaliger kanadischer Staatsbürger, der in der PKK für das westliche Kurdistan zuständig war.
Die PJAK, die seit 2005 im Rampenlicht steht, hat sich zunächst in Form verschiedener Organisationen entwickelt. Sie hielt ihren ersten Kongress am 25. März 2004 ab. Dieser Zweig der PKK blieb weit gehend unbekannt und in seiner Organisationsstruktur noch wenig definiert. Mehrere Zeugenaussagen in Mahabad bekräftigen die Hypothese, nach der die PJAK ihren Sitz in der Türkei habe, während ihr Anführer ein iranischer Kurde sei.
Eine Partei mit fünf Zweigen
Während eines offiziellen Besuchs in Norwegen im vergangen Juni hat Abdull-Rahman Haci Ahmedi, der Leiter der PJAK, dem Haus der Menschenrechte in Oslo ein Gespräch gewährt. Bei dieser Gelegenheit hat er seine Befürchtungen über den Iran der Mullahs offen ausgesprochen und die politische Linie seiner Partei verkündet. « Die PJAK distanziert sich von allen bestehenden Formen des klassischen kurdischen Nationalismus, denn sie ist davon überzeugt, dass friedliches Zusammenleben und Kooperation besser als Mittel zur Erlangung einer echten pluri-ethnischen Demokratie geeignet sind als die Teilung und die Errichtung mehrerer kleiner Staaten. »
Die kurdische Widerstandsbewegung PJAK vereint fünf politische und bewaffnete Arme: die Union der ostkurdischen Frauen (YJKR), die Union für die Jugend Ost-Kurdistans (YCR), die Union für eine demokratische Presse (YRD), politische Kreise sowie sogenannte « Selbstverteidigungs- » Streitkräfte.
Seit dem Gründungskongress der Partei hat sich der bewaffnete Arm der PJAK zu über 80 militärischen Operationen im iranischen Kurdistan und zu etwa dreißig direkten Zusammenstößen mit der Polizei des islamischen Regimes bekannt.
Die PJAK, Partei der Hypothesen
Zurück in Mahabad. Unser Gesprächspartner gibt zu, schlecht unterrichtet zu sein, erzählt aber, die Gründung der PJAK gehe auf die Ära der Republik Mahabad und auf das Charisma ihres Präsidenten Qazi Mohammed zurück, der vom kurdischen Volk als wahrer Held verehrt wurde. Kollektiver Mythos oder politische Realität? Fürs erste bleibt diese Frage unbeantwortet.
Die Organisation soll sich anschließend innerhalb verschiedener lokaler politischer Strömungen weiter entwickelt haben und dann zunächst aus dem öffentlichen Leben verschwunden sein. Das Szenario scheint plausibel, bleibt jedoch unbestätigt. Einzige verlässliche Aussage: der bewaffnete Arm der PJAK kämpft im Namen eines freien Kurdistan und befindet sich nach eigener Aussage « im Kampf gegen die iranische Regierung ».
Ein junger Kurde, der während des ganzen Interviews neben unserem Gesprächspartner gesessen hat, gesteht, er glaube nicht an die PJAK: « Ich werde sicher nicht die Reihen der PJAK verstärken. Wozu auch: Ich trage schon nicht mehr die traditionelle Kleidung, wieso sollte ich zu den Waffen greifen? Die iranische Regierung hat uns unwiderbringlich verändert. Meine Generation wurde durch die Arbeitslosigkeit bestimmt und hat weder Zeit noch Lust, über Politik zu diskutieren, während wir als erstes daran denken müssen, eine Arbeit zu finden. Teheran weiß ganz genau, dass keine Mentalität unbeugbar ist. »
Eingeständnis des Scheiterns, aber klarsichtig. All das wissen auch die Kämpfer der PJAK ganz genau.